Jana Graul

Invidia als Künstlerlaster

Neid in Kunst und Kunstliteratur der Frühen Neuzeit

Abstract zur Doktorarbeit:

Wie kein anderes Laster wurde der Neid im frühneuzeitlichen Europa zum prototypischen Widerpart exzellenten Kunstschaffens stilisiert. Die Studie erschließt erstmals zusammenhängend das umfangreiche Bild- und Textmaterial zu diesem Thema, das u.a. begriffs-, emotions-, und sozialgeschichtlich verortet wird. Untersucht werden die ab dem 15. Jahrhundert fassbaren ikonographischen Visualisierungsstrategien des Neids in den allegorischen Selbstinszenierungen der Maler, Bildhauer und Architekten und seine zentrale Rolle als Kategorie im zeitgenössischen Kunstdiskurs. Der thematische Zugang fördert nicht allein neue Erkenntnisse zu mitunter gut erforschten Einzelwerken zu Tage, sondern arbeitet gerade in der Zusammenschau die Sonderrolle des Lasters bei der Identitätskonstruktion der Künstler der Frühen Neuzeit heraus. Im Fokus stehen folglich das komplizierte Wechselverhältnis von Topos und sozialer Wirklichkeit sowie das wirkmächtige Bezugsfeld von Kreativität, Moral und Kunst.