Studienfahrt historische Gärten

Im September 2009 standen die beiden fränkischen Hofgärten in Würzburg und Veitshöchheim auf dem Programm von Dr. Modrow, der seit Jahren die  Cellinis in die Geheimnisse der Gartengestaltung vergangener Epochen einführt.


Dr. Modrow

Beide Gärten erfuhren ihre endgültige Ausgestaltung durch den Würzburger Fürstbischof Adam Friedrich von Seinsheim (reg. 1755-1779). In Würzburg engagierte er den in Böhmen geborenen Gartenkünstler Johann Prokop Mayer, der das kompliziert geschnittene und zu den einrahmenden Bastionen ansteigende Gelände geschickt in symmetrische Bereiche gliederte. So entstanden in sich geschlossenen Gartenpartien.

Südgarten des Hofgarten Würzburg

Maulbeerbaumallee entlang der Bastion

Der schöne Rokokogarten in Veitshöchheim erfuhr seine letzte Umgestaltung, die bis heute erhalten ist, von den Hofgärtnern Georg Joseph Oth und Johann Anton Oth in den 1770er Jahren. Kilometerlange Hecken unterteilen den Garten in verschieden Bereiche und Räume, die durch raffinierte Sichtachsen miteinander in Verbindung gebracht werden.

Blick vom Grottenhaus


Grottenhaus, aus farbigen Steinen und Muscheln gestaltet

Anfang des 18.Jahrhundert begann die Umgestaltung eines ehemaligen Wildgeheges zu einem Zier - und Lustgarten, die 1779 beim Tod des Fürstbischof von Seinsheim weitgehend abgeschlossen war.


Blick vom großen See auf das Schloss
Im südlichen Teil und etwas tiefer liegt die Seezone mit dem großen und kleinen See.



In der Irrgartenzone findet man das Heckentheater mit seinen bezaubernden Durchblicken.

Allegorie der Jahreszeit Sommer

Die skulpturale Ausgestaltung des Gartens ist überwältigend. Über 300 Objekte zieren Brun-nen und Alleen, sie stellen Tiere, Fabelwesen, die Hofgesellschaft und Personifikationen der Götter und Künste dar.

Über die Gartenplastik, die nun die Elemente das Rokoko aufnimmt, schreibt Germain Bazin in der Geschichte der Gartenbaukunst:  Wir sind eben nicht mehr in einem Garten, wir sind im Theater, oder vielmehr in der Komö-die, und deshalb scheinen die Figuren auch in Zweiergruppen miteinander zu dialogisieren. Das ist es, was diesem auserlesen schönen Garten so viel frivole Anmut gibt. Es ist ein Ballett - aber auch nur ein Ballett; im Grunde wird das Spiel- das große Gartenspiel, das aus dem Garten den Olymp oder den Aufenthalt der Philosophen machte - nicht ernst genommen; es ist nur noch ein Amüsement, und die Figuren, die den Tanz anführen, der Jagd-hornspieler, die Dudelsackbläserin ahnen nicht, dass sie das Ende der Gartenkunst einläu-ten. Damit ist aber nicht gesagt, dass für die Cellinis die Beschäftigung mit der Gartenkunst beendet ist. Dieter Kunze